In diesem Interview teilen Ynze Sipkema, Gründer von Blinqx und seit Mai 2025 Chief AI Officer, und Cornel van der Heiden, seit Mai 2025 als CTO bei Blinqx an Bord, ihre Ansichten über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die B2B SaaS-Branche. Sie sprechen über Technologietrends, die Rolle der KI in der Softwareentwicklung und darüber, wie Blinqx von diesen Entwicklungen profitiert.
Der Wandel hin zu agentenbasierter KI
Die B2B SaaS-Welt steht am Anfang eines großen Wandels. Bisher diente KI vor allem dazu, Aufgaben zu automatisieren oder Daten zu analysieren. Agentenbasierte KI ist ein völlig anderes Spielfeld: intelligente Systeme, die selbstständig Ziele erreichen, Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen. Anstatt als bloßes Werkzeug zu fungieren, wird KI zu so etwas wie einem digitalen Kollegen. Sie kann selbständig Aufgaben übernehmen, Prozesse durchlaufen und sogar mit Menschen und anderen Systemen kommunizieren. Das macht SaaS-Lösungen nicht nur smarter, sondern auch proaktiver und strategisch einsetzbar. Für Unternehmen bedeutet das eine völlig andere Arbeitsweise – schneller, effizienter und mit stärkerem Fokus auf den Mehrwert. Die Unternehmen, die diesen Schritt jetzt tun, werden sich in diesem dynamischen Markt behaupten können.
Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Veränderung, welche die B2B SaaS-Branche durchlaufen muss, um relevant zu bleiben?
Ynze: „Die Entwicklung von generativer KI zu agentenbasierter KI ändert alles in der Softwareentwicklung. Während die generative KI hauptsächlich auf Eingaben reagiert, agiert die agentenbasierte KI proaktiv und eigenständig. Wenn Sie als B2B SaaS-Anbieter im Zeitalter der agentenbasierten KI relevant bleiben wollen, müssen Sie Ihr Produkt wirklich anders betrachten. Kunden wollen nicht mehr nur Tools, mit denen sie Dinge selbst erledigen können, sondern sie erwarten Systeme, die ihnen die Arbeit abnehmen – die selbstständig Aufgaben erledigen, Entscheidungen treffen und einfach ihre täglichen Prozesse abwickeln. Das bedeutet also: Sie müssen Ihr Produkt aus einer anderen Perspektive betrachten. Weg von Schaltflächen und Workflows, hin zu einer KI, die versteht, was zu tun ist und das auch selbst angeht. Die sich anpasst, unterstützt und daraus lernt, wie Ihr Kunde arbeitet.“
Cornel: „Gleichzeitig müssen Sie dafür sorgen, dass alles sicher und kontrollierbar bleibt. Die Benutzer müssen verstehen, was die KI tut und warum, und sie müssen in der Lage sein, bei Bedarf einzugreifen. Kurz gesagt: Sie entwickeln keine Software mehr, Sie bauen digitale Peers. Wenn Sie als etablierter SaaS-Anbieter diesen Schritt nicht machen, laufen Sie Gefahr, von neuen Anbietern überholt zu werden, die KI vom ersten Tag in den Mittelpunkt ihrer Lösung stellen.“
Wie reagiert Blinqx da?
Ynze: „Blinqx reagiert aktiv auf den Wandel hin zu agentenbasierter KI im B2B SaaS-Bereich, indem es KI-gestützte Lösungen entwickelt, die Geschäftsprozesse nicht nur optimieren, sondern auch autonom agieren. Dabei legen wir großen Wert auf die Skalierbarkeit von KI-Agenten, um sie in all unseren verschiedenen Branchen einzusetzen. In den letzten Monaten haben wir Qore/AI entwickelt – eine Plattform, die KI-Funktionen, die für branchenspezifische Zwecke entwickelt wurden, für all unsere Branchen standardisiert und skaliert. So können wir neue KI-Innovationen schnell integrieren und unseren Kunden die neuesten Technologien für ihre konkreten Bedürfnisse zur Verfügung stellen.“
Cornel fügte hinzu: „Die Qore/AI-Plattform ist die Basis, von der aus wir KI nahtlos in unsere Softwarelösungen integrieren können. All die Dinge, die den Einsatz fortschrittlicher KI-Tools knifflig machen können – wie Leitplanken und Monitoring – übernimmt die Qore/AI-Plattform. Daher setzen wir voll und ganz auf LLMOps (Large Language Models Operations). So können unsere verschiedenen Kundengruppen (Versicherungen & Hypotheken, Buchhaltung, Recht, Finanzen & HR) gleichzeitig von der verbesserten Effizienz und den neuen Fähigkeiten profitieren, die wir mit unserer Qore/AI-Plattform ermöglichen.“
Welchen konkreten Kundennutzen hat das bisher gebracht?
Ynze betont die unmittelbare Anwendbarkeit der Innovationen: „Wir entwickeln nicht einfach nur technologische Spielereien. Das Ziel ist es, echte Probleme und tägliche Herausforderungen zu lösen, repetitive Arbeiten smart zu automatisieren und so einen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Indem wir KI in unsere Lösungen integrieren, ermöglichen wir es unseren Kunden, jeden Tag effizienter zu arbeiten und bessere Entscheidungen in dem Umfeld zu treffen, das sie bereits kennen.
Neben der Entwicklung unserer Qore/AI-Engine haben wir den KI-Assistenten Quinn sowohl intern als auch für Kunden eingeführt. Das ist unser digitaler Kollege, der rund um die Uhr Kundenfragen beantwortet. Das reduziert nicht nur die Arbeitsbelastung für unser Support-Team, sondern erhöht auch die Kundenzufriedenheit, da sie Quinn auch als digitalen Kollegen in der Software um Hilfe bitten können. In unserem Segment Recht können Sie Quinn beispielsweise bitten, Dokumente in der sicheren Anwendung aufzurufen und sie zu prüfen, umzuschreiben oder zu vergleichen. Das spart den Anwälten viel Zeit, die sie ihren Kunden widmen können. Und das führen wir dann auch in andere Blinqx-Segmente ein; zum Beispiel wird die Quinn-Funktionalität für die Rechtsabteilung bald auch für die Finanz- und Personalabteilung verfügbar sein.“

Den Benutzer in den Mittelpunkt stellen
Agentenbasierte KI bietet ein enormes Potenzial, doch Blinqx sagt, dass es sich strikt an den tatsächlichen Bedürfnissen der Benutzer orientiert und nicht einfach nur technische Spielereien auf den Markt bringen will. Diese Philosophie zeigt sich konkret in einem zentralen AI Expertise Hub, aber auch in allen Blinqx-Unternehmen bei der Erstellung von Entwicklungs-Roadmaps.
Wie sieht diese Philosophie in der Praxis aus?
Ynze: „Für die Entwicklungsteams von Blinqx ist ‚sich trauen‘ das wichtigste Grundprinzip. Als echte smart Rebels lassen wir uns nicht von Technologie um der Technologie willen leiten, sondern von den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Kunden und ihrer Märkte. Wir kennen unsere Branchen in- und auswendig – das ist unsere Stärke. Unser Business-First-Prinzip sorgt dafür, dass wir immer von der Nachfrage und nicht vom (technologischen) Angebot ausgehen. Unsere Blinqx-Unternehmen bleiben daher nah am Puls des Marktes, hören den Kunden genau zu und bündeln diese Erkenntnisse in einem leistungsstarken, zentralen AI Expertise Hub.“
Cornel fügt hinzu: „Was mir als Neuankömmling bei Blinqx sofort aufgefallen ist, ist, dass Innovation für die F&E-Teams nicht ‚nur‘ die Verwendung neuer Technologien bedeutet, sondern auch die Entwicklung von Lösungen, die wirklich die Wünsche der Branche erfüllen. Mir gefällt sehr, dass wir unsere Entwicklungsteams ermutigen, über den Tellerrand hinauszuschauen, aber immer mit Blick auf die Menschen und den Markt. Die Hackathons, die wir zu diesem Zweck in allen Blinqx-Unternehmen durchführen, finde ich wahnsinnig spannend. Man kann beobachten, wie die besten Ideen innerhalb eines Tages umgesetzt werden. Mit Hilfe der KI sind wir auch einfach viel schneller als früher! So können wir einen Mehrwert schaffen, der wirklich einen Unterschied macht.“
Ynze: „Wir setzen tatsächlich stark auf die Ideenfindung mit verschiedenen Teams – nicht nur mit Hackathons, sondern auch mit Development Days und indem wir Kompetenzen aus den jeweiligen Branchen in unserem übergreifenden AI Expertise Hub zusammenbringen. So können wir schnell reagieren, entscheiden und branchenspezifische Lösungen in Funktionen übersetzen, die auch unseren anderen Branchen helfen, Innovationen zu schaffen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Speech-to-Text-Funktionalität. Sie wurde für Beratungsgespräche im Versicherungs- und Hypothekenmarkt entwickelt, befindet sich nun aber auch in der Pilotphase in unserem Finanz-Segment. So machen wir aus branchenspezifischem Wissen breit einsetzbare KI-Funktionalität – aber immer genau abgestimmt darauf, was unseren Kunden wirklich hilft. Das macht unseren Ansatz sehr skalierbar und gibt uns den Auftrieb, weiterhin ganz vorne mit dabei zu sein.“

Die Zukunft von B2B SaaS und KI
Mit Blick auf die Zukunft sehen sowohl Ynze als auch Cornel eine Welt, in der KI ein integraler Bestandteil jeder Softwarelösung ist. Der Aufstieg der agentenbasierten KI wird die Arbeitsweise von Unternehmen verändern – mit mehr automatisierten Prozessen und datengestützten Entscheidungen.
Was können wir in diesem Bereich in naher Zukunft von Blinqx erwarten?
Ynze: „Wir werden weiterhin innovativ sein und in KI investieren. In Kürze werden wir wieder neue KI-gestützte Funktionen auf den Markt bringen, die unseren Kunden einen noch größeren Mehrwert bieten werden, wie z. B. die Zusammenfassung von Zeitleisten für das Segment Recht und die KI-gestützte Steuererklärungspraxis für den Buchhaltungs- und Steuermarkt.“
Cornel: „Darüber hinaus arbeiten wir weiter an der Verbesserung unserer Qore/AI-Plattformarchitektur, um Skalierbarkeit und Flexibilität zu gewährleisten, damit wir schnell auf sich ändernde Marktanforderungen und neue Entwicklungen in der Welt reagieren können.“
Ynze schlussfolgert: „Die Möglichkeiten sind fast endlos. Wir haben bereits großartige konkrete Lösungen für einzelne Branchen auf den Markt gebracht, aber ich persönlich freue mich noch mehr auf das, was die Zukunft uns bringen wird. Bei Blinqx haben wir die Ressourcen, die Denkweise und die Vision, um vorne mitzumischen und unsere Kunden bei ihrer digitalen Transformation zu unterstützen.“
